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PLX-R18 – ein Wundermittel gegen die Strahlenkrankheit?

Veröffentlicht am 23.02.2016

In den letzten Monaten wird immer intensiver über die Entwicklung eines neuen Medikaments zur Behandlung von Strahlenkrankheit berichtet.

Was versteht man unter Strahlenkrankheit?

Die Strahlenkrankheit (acute radiation syndrome (ARS)) tritt nur bei sehr hohen kurzzeitigen Strahlenbelastungen auf. Ab etwa 4 Sv (400 rem) muß man mit 50% Todesfällen innerhalb von 30 Tagen ausgehen. Ab etwa 6 Sv (600 rem) muß man von einem Tod innerhalb von 14 Tagen ausgehen. Die Werte dienen nur zur Orientierung, da sie je nach Umständen, sonstigen Belastungen und medizinischer Versorgung des Opfers stark streuen.
Solch hohe Dosen treten nur sehr selten, bei schwersten Katastrophen und widrigsten Umständen auf. Traurige Fälle sind z. B. die ahnungslosen Feuerwehrleute von Tschernobyl, die den offenen und brennenden Reaktor versucht haben zu löschen oder die Seeleute auf sowjetischen U-Booten, die versuchten am laufenden Reaktor Notreparaturen durchzuführen. Auch hier eine Orientierung: In Deutschland dürfen Feuerwehrleute (FwDV 500) nur im Katastrophenfall und einmalig im Leben, einer Dosis von 0,25 Sv ausgesetzt werden.
Solch hohe Strahlenbelastungen, die zum Tode führen, sind nicht einmal beim Reaktorunglück in Fukushima aufgetreten. Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik haben bisher immer solche Fälle sicher ausgeschlossen.
Bei der Strahlenkrankheit wird das Immunsystem sehr stark belastet (Gefahr von tödlichen Infektionen als Folgeschaden), das Blut und das blutbildende System und der gesamte Verdauungsapparat schwer geschädigt, wenn nicht zerstört. Als sichtbare Anzeichen tritt Haarausfall und innere Blutungen ein.

Was ist PLX-R18?

Das israelische Pharmaunternehmen Pluristem Therapeutics Inc. gilt als führend auf dem Gebiet der Entwicklung von Medikamenten, die auf Placenta beruhen. Es hat ein Patent für eine Gruppe von Proteinen PLX (PLacental eXpanded) erhalten, die unter anderem, besonders wirksam bei Strahlenkrankheit zu sein scheinen.
Bei Tierversuchen mit bestrahlten Mäusen, denen man das Medikament nach einem und nach fünf Tagen gespritzt hat, hat man unmittelbar eine Verbesserung des Blutbildes und eine verblüffend hohe Überlebensrate nach 30 Tagen feststellen können. Die Ergebnisse waren so vielversprechend, daß man nun in USA weitere Tierversuche durch das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), einer Unterorganisation der U.S. Gesundheitsbehörde, durchführen will. Sie konzentrieren sich auf die Veränderungen im Blutsystem.
Parallel werden Studien in Japan durchgeführt, die sich auf eine Anwendung in der Strahlenmedizin konzentrieren. Man sieht dort Anwendungen bei speziellen Krebstherapien.

Was sagt uns das?

Noch ist alles im Entwicklungsstadium. Bisher konnte man Strahlenkrankheit praktisch nicht behandeln, sondern den Patienten nur unterstützen. Schwere (Arbeits)-Unfälle sind auch in der Kerntechnik nie auszuschließen. Insofern ist es gut, zusätzliche Behandlungsmethoden zu haben.
Die ersten Anwendungen werden sicherlich im Rahmen von Strahlentherapien erfolgen. Man kann damit vielleicht Patienten unterstützen, die unheilbar an Krebs erkrankt sind. Dies wird schon aus ethischen Gründen erfolgen, denn man kann schließlich niemanden zu Testzwecken verstrahlen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Ein Medikament gegen Strahlenkrankheit, kann selbstverständlich auch militärisch genutzt werden. Es könnte für Soldaten wie die Atropin-Spritze gegen Giftgas eingesetzt werden. Man muß nicht raten, wer sich für eine solche Entwicklung interessiert und sie vorantreiben wird. Der “Atomkrieg” könnte einen erheblichen Teil seines (militärischen) Schreckens verlieren und damit die Einsatzschwelle herabgesetzt werden. Keine besonders erfreuliche Aussicht.
Ein weiteres Einsatzgebiet dürfte der Zivilschutz werden. Es ist noch nicht lange her, da geisterte die “schmutzige Bombe” in der Hand von Terroristen durch die Medien oder der Raketenangriff auf ein Brennelementelager durch “grüne Hirne”. Beides ist zwar eher ausgeschlossen, läßt sich aber hervorragend zur Einwerbung von Forschungsgeldern verwenden. Insofern wird die Entwicklung eher schneller vorangehen.
Da der Autor hoffnungslos fortschrittsgläubig ist, erwartet er im Rahmen der notwendigen Forschungsarbeiten noch weiter verbesserte Erkenntnisse über die biologische Wirkung von ionisierender Strahlung. Immer, wenn ein militärischer Nutzen in Aussicht gestellt wird, wird sehr schnell, sehr viel Geld in die Hand genommen.